ARKEN Insights · Report 01 · 2026
Ausgabe 01
Kapitel 01 · Warum jetzt
Viele mittelständische Ingenieurbüros haben ihre Qualität über Jahrzehnte durch Erfahrung, kurze Wege und persönliche Verantwortung gesichert. Genau das gerät jetzt unter Druck: Projekte werden komplexer, Nachweise dichter, Schnittstellen zahlreicher. Gleichzeitig erwarten Auftraggeber zunehmend digitale Lieferfähigkeit. Im Bundesfernstraßenbau wurde BIM mit der ARS Nr. 05/2026 verbindlich in den Regelprozess überführt, und bei der Bahn ist BIM in vielen Infrastrukturprojekten bereits Praxis.
Auch die Qualitätssicherung verändert sich. Probleme entstehen selten im Modell, sondern kurz vor Planabgabe: unterschiedliche Planstände, offene Freigaben, Mengenänderungen, Rückfragen vom Auftraggeber und ein Projektleiter, der die Qualität am Ende persönlich retten muss. Ein sauber geführtes BIM-Modell löst das nicht automatisch. Aber es macht Kollisionen, Mengenlogik, Zuständigkeiten und Änderungen früher sichtbar. Genau dort entstehen in klassischen Projekten Nacharbeit, Streit, Haftungsrisiken und Margenverlust.
Dazu kommt der Wettbewerb um Talente. Junge Ingenieurinnen und Ingenieure fragen nicht nur nach Gehalt und spannenden Projekten. Sie schauen auch darauf, ob ein Büro modern arbeitet. Im Fachkräftemangel ist das kein weiches HR-Thema, sondern Teil der Zukunftsfähigkeit.
Zunehmend zählt BIM auch für die ausführende Seite. Das Modell lässt sich direkt in die Baustellen- und Maschinenlogik übersetzen: Mengenabrechnung und Änderungsmanagement laufen durchgängig, Baustelleneinrichtung und Maschinenpositionierung profitieren unmittelbar, und selbst Transportwege und Kranstellungen lassen sich digital vorausplanen.
Die Kernfrage für Inhaber lautet daher: Wo nützt mir BIM konkret etwas, wie werden wir BIM-fähig, ohne das laufende Projektgeschäft zu überlasten, und wie nutzen wir BIM so, dass wir bei Auftraggebern, Qualität und Talenten wettbewerbsfähig bleiben?
„Büros, die zukunftsfähig bleiben wollen, müssen jetzt handeln – wer wartet, ist über kurz oder lang bei lukrativen Aufträgen nicht mehr wettbewerbsfähig."
Dipl.-Ing. Ulrich Hartmann, Bauinformatiker (TU Berlin), war Technischer Leiter im Nemetschek-Forschungsteam und BIM-Experte bei Oracle Construction & Engineering. Autor des Standardwerks „Building Information Modeling" (2022) sowie Mitglied im Deutschen Normenausschuss Bau und aktiv bei VDI, DIN, CEN und ISO.
Kapitel 02 · Marktbild
Wo steht die deutsche Ingenieurlandschaft beim Thema BIM heute? Die Datenlage zeigt ein differenziertes Bild. Der breit gefasste „BIM-Monitor" weist mit rund 20 % aktiver Nutzung im Gesamtmarkt noch deutlichen Nachholbedarf aus, wobei dieser Kern an Nutzern immerhin im Mittel 32 % seines Umsatzes mit BIM erzielt. Eine VBI-Umfrage zur Verkehrsinfrastruktur offenbart dagegen eine deutlich höhere Durchdringung: Hier berichten bereits 27 % der Büros von einer vollständigen Implementierung und weitere 43 % von einer laufenden Einführung. Die regulatorisch getriebene Spitze der bundesnahen Infrastruktur ist dem breiten Durchschnitt also bereits ein großes Stück voraus.
Hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine tiefe strukturelle Kluft, die vor allem an der Bürogröße verläuft. Schon die Bundesingenieurkammer stellte fest, dass die BIM-Nutzung mit der Mitarbeiterzahl stark skaliert. Der Grund liegt in den hohen Fixkosten: Große Einheiten finanzieren spezialisierte Rollen wie BIM-Management, Modellkoordination und CDE-Administration sowie laufende Schulungen problemlos. Der Mittelstand reagiert dagegen meist nur projektgetrieben und baut kein standardisiertes, wiederverwendbares Betriebsmodell auf.
Der Blick ins Ausland zeigt, dass BIM primär kein Software-, sondern ein Organisationsproblem ist. Vorreiter wie das Vereinigte Königreich oder die skandinavischen Länder haben durch konsequente öffentliche Vorgaben, einheitliche Standards und replizierbare Prozesse eine Marktdurchdringung von teils über zwei Dritteln erreicht.
In Deutschland hingegen trifft der fragmentierte Mittelstand auf eine ebenso fragmentierte Bauherrenlandschaft mit zahllosen individuellen Auslegungen und Datenlogiken. Ohne diese Standardisierung bleibt BIM für die meisten Büros ein bewegliches Ziel und Deutschland im internationalen Vergleich im Hintertreffen.
Internationaler Vergleich · BIM-Penetration
Anteil aktiver BIM-Nutzung am Gesamtmarkt
Kapitel 03 · Umsetzungshemmnisse
Viele Inhaber zögern zunächst aus nachvollziehbaren Gründen. Die Büros sind oft ausgelastet, während der Fachkräftemangel die Kapazitäten ohnehin strapaziert. Zudem ist der Projektmix im Mittelstand oft kleinteilig: In der Initialphase steht der bürokratische Overhead bei kleineren Projekten meist in keinem Verhältnis zum Ertrag. BIM ist eben kein bloßer Softwarekauf, sondern eine fundamentale Transformation: Es verändert die Angebotslogik, definiert Rollen neu, bricht Datenstrukturen auf und restrukturiert sowohl die Modellprüfung als auch die externe Zusammenarbeit.
Hinzu kommt eine zentrale wirtschaftliche Frage: Wird BIM vom Auftraggeber wirklich zusätzlich vergütet oder künftig einfach als Standard erwartet? Am Anfang entstehen Schulungsaufwand, Modellierungsdisziplin, Koordinationsaufwand und Produktivitätsverluste. Werden diese Leistungen nicht sauber kalkuliert und beauftragt, droht BIM in der Anfangsphase die Marge zu schmälern, statt die Profitabilität langfristig zu stabilisieren.
Auch organisatorisch ist das Thema anspruchsvoll. Viele mittelständische Büros haben keinen dedizierten BIM-Verantwortlichen. Dann landet BIM bei einem engagierten Projektleiter neben dem Tagesgeschäft. Das funktioniert selten nachhaltig. Gleichzeitig entsteht ein neues Abhängigkeitsrisiko, wenn nur ein oder zwei Mitarbeitende die Methode wirklich beherrschen. Die Skepsis ist daher rational: Inhaber wollen kein neues Spezialistenthema schaffen, das im Alltag mehr Komplexität erzeugt.
Gefährlich wird es aber, wenn aus berechtigtem Zögern dauerhaftes Abwarten wird.
„Großbritannien hat seinen Vorsprung über klare öffentliche Vorgaben aufgebaut – woraus heute ein echter Wettbewerbsvorteil geworden ist."
Kapitel 04 · Mehrwert
Der Nutzen von BIM ist real, entfaltet sich jedoch meist zeitversetzt. Sobald die initialen Prozessstrukturen etabliert und die ersten Hürden genommen sind, zeichnet sich der Mehrwert vor allem in drei Bereichen ab:
01 · Qualität
BIM verhindert Fehler nicht automatisch, macht sie aber früher sichtbar. Durch die Zusammenführung relevanter Fachmodelle in einer gemeinsamen Datenumgebung lassen sich Schnittstellenprobleme, Mengenabweichungen und unklare Planstände früher erkennen, bevor sie in der Bauphase teuer werden. Die einfache Logik dahinter: Ein früh erkannter Schnittstellenfehler kostet weniger als ein spät erkannter Baustellenfehler.
02 · Marktzugang
BIM wird bei anspruchsvollen Auftraggebern zunehmend Teil der erwarteten Lieferfähigkeit. Aktive BIM-Nutzer generieren bereits 32 % ihres Umsatzes mit BIM-Projekten. Dort, wo es eingeführt wurde, ist es kein Experiment mehr, sondern relevanter Teil des Projektgeschäfts. Für mittelständische Büros heißt das: BIM-Fähigkeit hilft, bei komplexeren Projekten und professionelleren Vergabestrukturen anschlussfähig zu bleiben.
03 · Skalierungsfähigkeit
Der Skalierungsvorteil von BIM liegt in der Wiederholbarkeit. In einer Verkehrsinfrastrukturstudie berichten 54 % der BIM-Nutzer, dass BIM hilft, einen konsistenten und wiederholbaren Projektabwicklungsprozess aufzubauen. Was einmal als Vorlage oder Rollenmodell funktioniert, muss im nächsten Projekt nicht neu erfunden werden. Das schafft Entlastung und wirkt als Produktivitätshebel.
Konventionelle Projekte
22,4 %
Eingeschätzte Fehlerkosten in konventionellen Projekten.
BIM-Projekte
9,6 %
BIM-erfahrene Unternehmen schätzen ihre Fehlerkosten in BIM-Projekten deutlich niedriger ein.
Kapitel 05 · Umsetzungspfad
Der falsche Weg ist der radikale Rundumschlag: Software anschaffen, zwei Schulungstage buchen und die gesamte Projektlandschaft auf einmal umstellen. Erfolgversprechender ist die schrittweise Entwicklung entlang eines klaren Reifegradpfads. Ein mittelständisches Büro benötigt keine ressourcenintensive BIM-Abteilung wie ein Großkonzern. Gefragt ist ein schlanker, replizierbarer Standard, der zum eigenen Projektmix passt.
Für viele Infrastruktur-Büros sind drei Anwendungsfälle besonders naheliegend: Kollisionskoordination zwischen Fachmodellen, modellbasierte Mengen- und Kostenermittlung sowie strukturierte Plan- und Änderungsprüfung über eine CDE. Die Auswahl sollte aus echten Herausforderungen kommen: Wo entstehen Nacharbeit, unklare Zuständigkeiten, doppelte Datenpflege oder späte Korrekturen?
Auch an abgeschlossenen oder fiktiven Projekten zu üben hilft, Erfahrung ohne vollen Projektdruck aufzubauen. Der erste BIM-Pilot sollte weder das wichtigste Kundenprojekt des Jahres noch ein unbedeutendes Kleinstprojekt sein, bei dem der Nutzen im Rauschen untergeht. Optimal ist ein mittleres, gut beherrschbares Kernprojekt mit klarer Modellgrenze und überschaubaren Schnittstellen.
Ein BIM-Manager definiert Methode und Projektstandard, ein BIM-Koordinator führt Modelle zusammen und prüft Qualität, Modellautoren liefern Fachmodelle. In kleinen Büros müssen das keine Vollzeitstellen sein, aber Verantwortlichkeiten müssen eindeutig sein.
Gemeint ist ein verbindlicher, bürointerner Unternehmensstandard, nicht der Verweis auf allgemeine ISO-Normen: eigene Namenskonventionen, Modellstruktur, Prüfregeln, Übergabeformate, Vorlagen für Auftraggeberinformationsanforderungen (AIA) und BIM-Abwicklungspläne (BAP) sowie eine verbindliche Common Data Environment (CDE). Ohne ihn produziert BIM nur digitales Durcheinander.
Die HOAI kennt BIM nicht als Standardleistung; als Besondere Leistung ist das Honorar frei verhandelbar, muss aber über den Mehrwert für den Auftraggeber begründet werden. Das gelingt mit einem konkreten Kosten-Nutzen-Abgleich: Eine frühe Kollisionsprüfung vermeidet Nachträge und schafft präzisere Kosten- und Terminsicherheit. Das sind Vorteile, die sich vertraglich festschreiben lassen.
Schulungen sollten nicht nur Pflichttraining sein, sondern Teil eines modernen Karrierepfads: Wer BIM-Koordination, Modellprüfung oder CDE-Standards beherrscht, bekommt Verantwortung. Fördermöglichkeiten wie Mittelstand-Digital Zentren, das Qualifizierungschancengesetz oder KfW-Digitalisierungskredite können den Einstieg abfedern.
Kapitel 06 · ARKEN Gruppe
Nicht jedes Büro muss das Rad neu erfinden: Jede Vorlage, Schulung, Struktur und Prüfregel selbst zu entwickeln, überfordert die Kapazitäten mittelständischer Büros. Genau hier liegt der Hebel der ARKEN Gruppe. Durch den Verbund werden Standards wiederverwendbar, Erfahrungen aus Pilotprojekten direkt geteilt und kritisches BIM-Wissen auf mehrere Schultern verteilt. Das nimmt dem Thema die Komplexität und schützt das operative Tagesgeschäft vor Überlastung.
Damit wird die Methode zur soliden Basis für bessere Planung, reibungslose Zusammenarbeit und künftige KI-gestützte Prozesse. Für Inhaber verschiebt sich die Kernfrage von einer Risikobemessung hin zu einer strategischen Chance: BIM irgendwann unter externem Druck nachzuholen oder die Transformation jetzt mit einem starken Partner im Rücken als echten Wettbewerbsvorteil zu etablieren. Genau bei dieser Entscheidung unterstützen wir Sie gern und finden in einem ersten Gespräch gemeinsam heraus, wie wir helfen können.
Gründer & Geschäftsführer · ARKEN Gruppe
Über diesen Report
ARKEN Insights ist die Publikationsreihe der ARKEN Gruppe für Inhaberinnen und Inhaber mittelständischer Ingenieurbüros.
Hinweis
Dieser Report dient der allgemeinen Information. Die Inhalte wurden sorgfältig recherchiert; dennoch übernimmt ARKEN keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit. Anforderungen und Marktbedingungen können sich ändern und sollten im Einzelfall geprüft werden.
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